Selbstoptimierung: Segen oder Fluch?

Der Wunsch nach Verbesserung und der Glaube an eine bessere Zukunft sind so alt wie die Agrarrevolution, also etwa 12’000 Jahre, schreibt Prof. Yuval Harari in seinem Bestseller «Eine kurze Geschichte der Menschheit». Die Vorstellung, immer besser und produktiver sein zu müssen, war noch nie so ausgeprägt wie heute. Selbstoptimierung – sich gesünder, jünger, fitter, leistungsfähiger zu machen – ist ein globaler Megatrend geworden. Was aber passiert, wenn sich die Vision eines besseren Lebens nicht erfüllt?

Dazu mein Artikel “Visionen eines besseren Selbst” für Punktum, dem Magazin des Schweizerischen Berufsverbands der Angewandten Psychologie (SABP)

Am 20. März 2018 werde ich im Forum Vogtei zum Thema "Eltern gegen Lehrer - Wer gewinnt im Klassenzimmer?" mitdiskutieren.

Eltern gegen Lehrer - Was läuft schief?

Eltern wollten immer schon nur das Eine für Ihre Kinder, nämlich das Beste. Nicht immer forderten Sie dies mit der gleichen Vehemenz. Ist ihre Sorge um die Bildung berechtigt oder reine Hysterie? Warum blockieren Lehrer und Schulbehörde diese vermeintlich schwierigen Eltern und mauern anstelle, dass sie in einen konstruktiven Dialog treten? 

Gesellschaftspolitisch und wirtschaftlich hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten vieles verändert; darüber sind sich die meisten einig. Wenn man von bildungsrelevanten Veränderungen spricht, dann ist nicht von kleinen, nationalen Veränderungen wie die des “Lehrplans 21” die Rede, sondern von globalen Megatrends, die unsere Gesellschaft grundlegend verändert haben. Der globale Wettbewerb und die damit verbunden Zukunftsängste zum Beispiel erhöhen den Druck und die Sorge um die adäquate Bildung an den Schulen. War eine Berufslehre oder ein Hochschulabschluss vor 25 Jahren noch ein Garant dafür, erfolgreich Karriere zu machen, kommen heute viele Unsicherheitsfaktoren hinzu; gibt es den Dienstleistungsjob nach meiner Ausbildung überhaupt noch (Stichwort: Roboter und Artificial Intelligence)? Wie lange werde ich den gleichen Job überhaupt ausüben können und habe ich die richtigen Voraussetzungen, mich einer sich rasant verändernden Arbeitswelt anzupassen? Fragen, die für Eltern von zentraler Bedeutung sind. Ihnen diese Sorge wegreden zu wollen bzw. zu bagatellisieren, betrachte ich als grossen Fehler seitens der Schulbehörde aber auch der Medien. Werden diese “neuen” Eltern als mühsame “Helikoptereltern” bezeichnet, ist dies nicht nur fehl am Platz, sonder führt nirgendwo hin. Es besteht die Gefahr, dass immer mehr Eltern in der Weigerung einzelner Schulen und Schulkreise, sich dieser Anlegen anzunehmen, einen Bildungsabbau vermuten. Dass Familien, die sich dies finanziell leisten können, in der Konsequenz ihre Kinder aus den staatlichen Schulen nehmen und in Privatschulen schicken, erstaunt weiter nicht. 

Aus diesem Blickwinkel heraus, überrascht es umso mehr, wenn man schaut, was sich die beiden Seiten gegenseitig vorwerfen. Beide ignorieren nämlich den Wandel und scheuen, dessen Konsequenzen. Lieber wird einer Zeit nachgetrauert, in der Eltern die Schule noch unhinterfragt akzeptierten und Eltern darauf vertrauten, dass die Schule das Richtige tut. In der aktuellen Debatte um die schwierigen Eltern wird ausgeblendet, wie viel komplexer das Leben in den letzten 25 Jahren geworden ist und inwieweit auch in anderen Lebensbereichen Autoritäten nicht mehr unhinterfragt akzeptiert werden (zB in der medizinischen Versorgung/Compliance).
Als ich zum Beispiel in den 70er Jahren zur Schule ging, hatten meine Eltern wenig Kontakt zur Schule bzw. zu den Lehrern, ausser ein Mal im Jahr am Elternabend und am Elterngespräch. Die Lehrer konnten walten, wie sie wollten und Eltern vertrauten der Schule. Heutzutage wollen und dürfen Eltern in der Schule mitpartizipieren. Dies ist sogar gesetzlich festgelegt und geregelt. Eltern betrachten es folglich als ihr Recht in der Schule mitzureden. Sie wollen Informationen darüber, welche Schulmittel verwendet werden, was für eine Schulhauskultur und was für ein Disziplinarsystem an der Schule propagiert wird. Eltern verlangen Transparenz und Gespräche. Im Zeitalter der Digitalisierung und Automatisierung wollen Eltern einen offenen Diskurs darüber, inwiefern stures Auswendiglernen und zu viel Konformismus an der Schule noch zukunftsträchtig ist. Sie fragen sich, wo in der heutigen Volksschule Innovation, Kreativität und Originalität gefördert wird und hinterfragen beispielsweise pädagogische Konzepte, die nur die braven, fleissigen, Schüler belohnen.

Leittragende in dieser Entwicklung sind unweigerlich die Lehrer. Sie sind im Sandwich zwischen Bildungspolitik und Eltern und dadurch mit immer mehr und neuen und vor allem zeitaufwendigen Herausforderungen in der Elternarbeit konfrontiert. Neben didaktischen Kompetenzen brauchen sie heute vor allem gute Kommunikationsfähigkeiten. Damit die Last jedoch nicht nur auf den Schultern der Lehrer lastet, braucht es vor allem gut geschulte, konfliktfähige Schulleiter und Schulbehörden, welche Lehrer und auch Eltern gut zu führen wissen. Gelingt es diesen nicht, ihre Lehrer in ihren neuen Rollen zu stärken und die Anliegen der Eltern konstruktiv aufzunehmen, kann es vorkommen, dass frustrierte Eltern die Schulbehörden, Medien oder in unschönen Fällen sogar Anwälte einschalten. Es ist jedoch wichtig, dass man nicht aufgrund von wenigen Einzelfällen generalisiert; der Gang zum Anwalt ist immer ein Einzelfall. Wenn sich Eltern zusammen tun, um mit einem Anliegen an die Medien zu treten, dann ist aus meiner Erfahrung bereits sehr Vieles schief gelaufen. 

Dies weiss auch Beat Zemp, Präsident des Lehrerdachverbandes. Früher wurden Entscheide der Schule von den Eltern vorbehaltlos unterstützt. Die heutige Elternarbeit ist für die Schule deutlich anspruchsvoller geworden. Deshalb hat der Dachverband auch einen neuen Leitfaden mit dem Titel «Schule und Eltern: Gestaltung der Zusammenarbeit» entworfen, der den alten aus dem Jahr 2004 ersetzt. Man finden in diesem 53-seitigen Bericht eine entsprechend klare Analyse der sich veränderten Umstände. Auch dass der vielfältige kulturelle Hintergrund und die divergierende gesellschaftliche Wertvorstellungen zu unterschiedlichen und zu laufend neuen lokalen Formen der Zusammenarbeit mit den Eltern führen, wird bemerkt. Der Leitfaden betont immer wieder, wie wichtig es für die Schule sei, den unterschiedlichen sozioökonomische Kontext, der in einem Quartier anzutreffen ist, zu berücksichtigen und sich im Klaren zu sein, welche Bildungsambitionen in den Familien vorherrschen. Dies kann - je nach Quartier - sehr unterschiedlich ausfallen.  

Fazit: Die Zeiten haben sich geändert. Ohne, dass beide Seiten akzeptieren, dass Veränderungen stattgefunden haben, wird im Kreis herum geredet und sich gegenseitig die Schuld zugewiesen. Deshalb braucht es kein Gegeneinander sondern ein gutes Miteinander. Die Herausforderungen der Zukunft können nur in Angriff genommen werden, wenn beide Seiten die Veränderungen annehmen und diese nicht bekämpfen. Ziel sollte sein, einen machbaren Konsens zu finden, Elternpartizipation als Chance und nicht als Mühsal zu sehen und gegenseitig im Diskurs zu bleiben. Nur so können neue, konstruktive Lösungen gefunden werden, welche die best möglichen Voraussetzungen liefern, dass die Kinder eine positive Schulzeit erleben und richtig auf die zukünftige Arbeitswelt vorbereitet werden. 

Webseite: Forum Vogtei, PDF: Eltern gegen Lehrer

 

Das perfekte Online Profil

Vor einigen Tagen habe ich DRS1 ein Interview gegeben, über wie man das perfekte Online Profil erstellt und auf was man sonst noch achten soll. 

Hier die wichtigsten Tipps zusammengefasst, auch auf der Homepage von SRF zum Nachlesen und Hören.

Die Chance eine ernsthafte Beziehung im Internet zu finden, steigt auf jeden Fall, wenn das Profil vollständig und sorgfältig ausgefüllt ist, weiss Barbara Beckenbauer, Psychologin bei Parship: «Ehrliche Worte, keine Allgemeinplätze, ein kleiner Einblick in den Alltag und eine Prise Humor machen interessant», so die Expertin.

Tipps für das perfekte Profil:

  • Ein gutes Profilfoto ist die halbe Miete: Ein offener und ehrlicher Ausdruck ist wichtig.
  • Es lohnt sich Fotos von einem Profi machen zu lassen.
  • Nicht nur ein Portrait ins Netz stellen, sondern unterschiedliche Fotos, zum Beispiel aus der Freizeit oder im Businesslook frischen das Profil auf.
  • Profilangaben: Ehrlich, offen und ausführlich schreiben.
  • Sich auch von seiner persönlichen Seite zeigen und etwas Kleines von sich Preis geben, weckt das Interesse.
  • Die Bewirtschaftung des Online-Profils ist wichtig: Sich Zeit nehmen und das Profil immer wieder aktualisieren, aktiv sein und täglich rein schauen und Mails beantworten.

Das sind No-gos:

  • Mit dem Aussehen und Alter schummeln
  • Schlechte, unscharfe, alte oder falsche Bilder
  • Sich im Profil zu positiv oder zu negativ präsentieren
  • Ein unvollständig ausgefülltes Profil
  • Schreibfehler

War man erfolgreich und kann sich zum ersten Date verabreden, sollte man sich nicht gleich schon zum Abendessen treffen, rät Barbara Beckenbauer: «Es kann ja sein, dass man nicht die gleiche Wellenlänge hat. Beim ersten Treffen geht man besser einen Kaffee trinken oder spazieren.» Und auch wenn es bei der ersten Verabredung nicht gefunkt hat, gilt: Ist man sich sympathisch, sollte man dem Gegenüber die Chance geben, sich mindestens ein zweites Mal zu treffen.

Und nicht vergessen: Auch beim Daten gilt: Übung macht den Meister. Sich nicht abschrecken lassen, wenn es beim ersten Treffen nicht funkt. Je mehr man übt, desto einfacher und spielerischer werde das Ganze.

Tilllate.com hat mich kürzlich gefragt - Gibt es ein Liebes-Beuteschema?

Nach meinem Interview mit tilllate.com - hier - habe ich mich hingesetzt und folgendes zusammengefasst. Es ist etwas ausführlich geworden, doch wer immer wieder mal an den oder die Falsche gerät, sollte unbedingt weiterlesen.

Fixiert aufs fixe Beuteschema oder warum man sich immer wieder “falsch” verliebt.

Dieses Mal kommt es garantiert anders!”, sagte mir kürzlich ein guter Freund, der unter uns gesagt ein ausgesprochenes Talent hat, sich blind in die nächste Verliebtheit zu stürzen. Die Alarmglocken, die läuten sollten, gehen bei ihm nicht los und seine Freunde haben es aufgegeben, auf ihn einzureden. Eigentlich ist es total unverständlich, warum er derart Pech in der Liebe hat, zumal er sehr gut bei den Frauen ankommt. Er ist charmant, gutaussehend und besitzt die Killermischung zwischen Bad Boy und Traum-Schwiegersohn. Der Haken ist nur, dass sich sein Beuteschema auf mädchenhafte Frauen - die sich partout nicht binden wollen - beschränkt. Die Frauen, die ihm den “Ärmel rein nehmen”, sind entweder vergeben, trennen sich nicht endgültig vom alten Partner oder wollen von vornherein nichts von ihm wissen. Diejenigen Frauen, die zu ihm passen und ihn auch haben möchten, meidet er wie der Teufel das Weihwasser. Mit anderen Worten: er ist fixiert auf sein fixes Beuteschema.

Wie kommt es, dass sich jemand derart nach einer Beziehung sehnt und innerlich alles daran setzt, dass es niemals dazu kommen wird?

Zugegeben, das oben erwähnte Beispiel ist ein Härtefall, und nicht jedes Beuteschema ist gleich handicapierend. Wir haben alle unser Beuteschema. Bei den Einen ist es sehr fix und lässt kaum Ausnahmen zu, bei anderen besteht die Möglichkeit, mehr Flexibilität zuzulassen und das Spektrum zu öffnen. 

Was ist das Beuteschema?

Das Beuteschema ist - einfach ausgedrückt - das Bauchgefühl beim Daten. Der instinktive Teil in uns, den wir nicht mit dem Kopf steuern können. Es kann gut sein, dass man haargenau weiss, was einem gefällt und gut tut, hat das Beuteschema jedoch einen vermeintlichen “Match” gefunden, schaltet es den Kopf einfach aus. Dann macht es uns blind mit Verlangen und Sehnsucht, verursacht die bekannten Schmetterlinge im Bauch, die Obsession im Denken und die schlaflosen Nächte. Das Beuteschema ist dafür verantwortlich, dass wir süchtig, wie ein Junkie nach einem “Match” Ausschau halten. So wird der immer gleichen Kick herbeigesehnt, selbst dann, wenn man weiss, dass der Kick nicht lange währt und meist mehr Kummer als Freude bereitet. 

Es gibt selbstverständlich auch einfacher gestricktere, weniger destruktive Beuteschemata. Findet eine Frau beispielsweise eher fürsorgliche, warme, familienorientierte Männer attraktiv, gibt wenig auf Äusserlichkeiten und gehört selbst zum häuslichen, mütterlichen Typ, dann steht es relativ gut um ihre Beziehungschancen. Oder steht ein Mann auf die unabhängige, selbstständige Frau und trifft dabei auf eine Karrierefrau, die neben dem Job noch genügend Zeit findet, sich auf ihn einzulassen, dann steht dem Beziehungsglück wenig im Weg. 

Der Haken

Meistens ist es aber nicht so einfach. Oft gibt es nämlich einen Haken beim Beuteschema, d.h. eigentlich steht die Frau schon auf den fürsorglichen, häuslichen Typ, dieser muss dann aber noch andere Vorstellungen abdecken, wie zB. das Karrieretier sein, sportlich und durchtrainiert sein und dazu noch Humor haben. Oder der Mann steht zwar auf die unabhängige, langbeinige Amazone, ist dann aber doch enttäuscht, wenn sie wenig Einfühlungsvermögen zeigt und sich so gar nicht um ihn kümmert, wenn er sie braucht.

Warum aber dieses Dilemma? Das Beuteschema sagt wenig über Beziehungschancen und Alltagstauglichkeit der Partner aus, sondern umschreibt, was unser Blut in Wallung bringt, was wir visuell und sexuell als anziehend empfinden. Das heisst, bei wem wir schwach werden und weiche Knie bekommen und nicht, wer unser ideale Partner ist.

Hat man also ein fixes Beuteschema, dann sollte man mindestens nach dem dritten Mal hellhörig werden und sich fragen, wie hilfreich es für das Beziehungsglück ist, sich unhinterfragt auf dieses trügerische “Bauchgefühl” zu verlassen. 

Wie kann man sein eigenes Beuteschema überlisten?

Der erste Schritt ist sicher, sich selbst genauer kennen zu lernen. Dafür braucht es meist auch schlechte Erfahrungen. Schlechte Erfahrungen helfen immer auch, sich ein klareres, deutlicheres Bild davon zu machen, was unser Muster ist und wie wir in Liebesdingen funktionieren. Nützlich kann auch sein, mit der besten Freundin oder besten Freund darüber zu sprechen. Diese kennen oft das eigene Beuteschema erstaunlich gut, besser als man selbst. Ausserdem ist es wichtig, sich so viel Eigenwissen wie möglich anzueignen, was einem wirklich gut tut und auf was man in einer Beziehung wirklich Wert legt. Wenn man unsicher ist, unbedingt auch auf die Empfehlung der Freunde hören und sich auch dann auf ein Date einlassen, wenn die Person uns auf den ersten Blick nicht vom Hocker haut. Allenfalls ein zweites oder drittes Date anhängen, um die Person - die wir eigentlich sympathisch finden, aber irgendwie nicht sexy - besser kennen zu lernen. 

Online Dating ist eine weitere Möglichkeit, sein Beuteschema zu überlisten. Die vorgeschlagenen Matches beruhen auf ausgeklügelten Algorithmen und Wissen darüber, in welchen Bereichen der Beziehung es Übereinstimmung braucht und wo es besser ist, wenn man sich unterscheidet. Es werden beim Online Dating garantiert Menschen vorgeschlagen (Matching), denen wir im Alltag niemals Beachtung schenken würden, und doch irgendwie zu uns passen. 

Eine Freundin zum Beispiel, hat sich auf auf einem seriösen Online Portal angemeldet, nachdem ihre Ehe auseinander ging. Ihr Beuteschema war eher auf kreative, sportliche, extrovertierte und unkonventionelle Männer ausgerichtet. Glücklicherweise war sie reif und erfahren genug, ihr Spektrum zu erweitern. Sie liess sich auf ein Date mit einem Banker ein - jemanden, dem sie ohne Matching sonst nie Beachtung geschenkt hätte. Die beiden sind nun seit mehreren Jahren ein glückliches Paar. Der neue Partner passt gut zu ihr und seine berufliche Laufbahn sagt wenig über seine private Person aus. Eine Klientin Mitte 30 wollte einen Mann finden, um eine Familie zu gründen. Ihr Beuteschema - das wusste sie - war aber auf Männer ausgerichtet, die diesen Wunsch nicht teilten. Dank intensiver Auseinandersetzung mit sich selbst und einer neuen Offenheit für Männer mit mehr häuslichen Qualitäten und weniger “offensichtlichem” Sexappeal hat sie über Online Dating einen Partner kennengelernt und bekam letztes Jahr ihr erstes Kind von ihm.

Zöliakie und das Problem mit dem Kalzium

Meine Tochter Lucy hat mit 17 Monaten die Diagnose Zöliakie bekommen. Das war für eine Diagnose sehr früh und für mich als Mutter natürlich ein richtiger Schock, zu sehen, wie ein Baby vor meinen Augen immer mehr an Gewicht und Kraft verliert. Umso mehr war es erstaunlich, wie schnell sie sich mit einer glutenfreien Diät wieder erholte und ihre Lebenskräfte zurückkehrten. Ich aber hatte länger, mit dieser doch einschneidenden Umstellung, gelassen umzugehen. Heute ist alles anders und einfacher und das Leben mit einem Familienmitglied, das glutenfrei essen MUSS, ist unkomplizierter geworden. Diese Erfahrung hat mich dazu bewogen, ein Beratungsangebot  für neudiagnostizierte Zöliakiebetroffene und deren Eltern auf die Beine zu stellen. Gedacht war eine Art "Case Management" für den Anfang, jemand, der mit Rat und Tat zur Seite steht, im Prinzip genau das, was ich mir in der Anfangszeit auch gewünscht hätte!

Eine dieser Hürden bzw. Herausforderungen bei der Behandlung einer Zölaikie, ist zum Beispiel, wie man mit all den Mangelerscheinungen (Vitamin D, Kalzium, Eisen, Zink, Selen, Fohlsäure, Vitamin B12) umgehen soll? 

Milch, so schlecht wie ihr Ruf?

Bei Zöliakie stellt man zum Zeitpunkt der Diagnose (aber auch in den Folgeuntersuchungen) häufig fest, dass ein ausgeprägter Kalziummangel vorhanden ist, eine sogenannte Hypokalzämie (oft gekoppelt an einen Vitamin D Mangel). Auch ohne Zöliakie ist der Kalziummangel übrigens kein seltenes Phänomen, spricht man doch in der Normalbevölkerung von einer Prävalenz von 15%. 

Über das, was man tun soll, wenn ein Kalziummangel besteht - ob und wie man substituiert - gehen die Meinungen stark auseinander. Ein Streitpunkt bei der Behebung des Mangels ist, ob man Kalzium in Tablettenform verabreichen soll, oder über die Ernährung substituiert. Soll heissen, entweder über Milchprodukte, oder andere Quellen von Kalzium (wie zum Beispiel Brockoli, Grünkohl, Pack Choi, Bohnen, Linsen, Tofu etc.) hinzuführt. Dabei geht es u.a. auch immer um die Frage, wie gut der Körper das Kalzium aus der Ernährung aufnehmen kann. Erschweren tut sich die ganze Situation bei der Zöliakie häufig auch dadurch, dass am Anfang oft eine Laktoseintolleranz hinzukommt. Das heisst, dass anfänglich auf Milchprodukte gänzlich verzichtet werden muss.

Vergangenes Wochenende hatte ich nun per Zufall die Gelegenheit, genau dieses Dilemma mit einem Fachexperten zu besprechen. Dr. Fazil Hannan, Assistenzprofessor and der Universität Liverpool und Grundlagenforscher im Bereich Mineralstoffwechsel (v.a. Kalzium) war bei uns zu Besuch und ich ergriff die Gelegenheit, ihn zu fragen, wie man Kalziummangel am besten behandelt und was es eigentlich mit der Milch auf sich hat? Darf bzw. soll man Milch trinken, wenn man einen Kalziummangel hat oder gibt es dafür bessere Nahrungsquellen?

Seine Antwort war einfach; Milch sei nach wie vor die beste Quelle für Kalzium, besser sogar als alles kalziumhaltige Gemüse. Dies vor allem, weil bei der Milch die richtige Balance an Mikronährstoffen vorhanden sei, welche die Aufnahme optimiert. Er meinte auch, dass es nicht auf den Fettgehalt der Milch ankomme, also Milch-Drink oder Magermilch genau den gleichen Kalziumanteil vorweisen. Er sprach sich auch gegen eine zu aggressive Substitutionstherapie mit Kalziumtabletten aus, die den Körper nur zusätzlich mit hohen Dosen an Kalzium belasten. Aufgrund der fehlenden Mikronährstoffe kann das Kalzium so gar nicht richtig in den Mineralstoffwechsel aufgenommen werden. 

Seine Zusammenfassung war: Ein ausgewogener Milchkonsum, auch bei Zöliakie, sollte bei einem regenerierten Darm ausreichend sein, den Mangel zu beheben. 

Das zu hören, beruhigte mich natürlich sehr, habe ich doch seit langer Zeit, diese Unsicherheit der Milch gegenüber mit mir rumgetragen. Milch und Milchprodukte sind also doch besser als ihr Ruf und können im gesunden Masse sorgenfrei konsumiert werden. 

Es gibt kein Leben unter 100 Ferritin

Das hat meine Kollegin Kafi Freitag vor einiger Zeit in einer ihrer witzigen Antworten geschrieben. Und ich stimme ihr voll und ganz zu.

Ich bin immer wieder vor den Kopf gestossen, wie stiefmütterlich mit dem Problem "Eisen-" bzw. "Ferritinmangel" in der Schweiz umgegangen wird. Frauen werden zu Bittstellerinnen und Ärzte und Krankenkassen beharren auf einem absurd tiefen Ferritinwert von 30 als Untergrenze. "Wenn ich einen Ferritinwert von 30 habe, bin ich eigentlich nicht mehr funktionsfähig, dann habe ich Schwindel, Konzentrationsmangel, Kopfschmerzen, schlafe schlecht und fühle mich miserabel", berichtet mir kürzlich eine Klientin, Mutter von 2 Kindern. Auch ich habe über lange Zeit meines Lebens meinen Ferritinmangel (=Erschöpfung)  psychologisiert, habe meine dünne Haut als Ausdruck meiner Persönlichkeit verstanden. Meine Mutter meinte schon immer "ich sei halt eine Sensible". Das war bevor ich realisierte, dass es kein Leben unter 100 Ferritin geben kann, jedenfalls nicht für mich! Unter 100 Ferritin bin ich nämlich nicht mich selbst. Ich ich bin erschöpft und nicht  in meinen Ressourcen und muss ständig an lästigen Symptomen "herumdöckterle". 

Ich erinnere mich an eine andere Klientin, die mich vor vielen Jahren aufgesucht hat. Sie war sehr aufgewühlt und die Tränen standen zuvorderst. Es sass mir eine schöne, starke Frau und Mutter gegenüber und war nur noch ein Häufchen Elend. Es war ihr alles zu viel: die beiden Kinder, der Mann, der Job, sie konnte schlicht und einfach nicht mehr. Am meisten belastete sie die Beziehung zu ihrem Mann, von dem sie sich ungerecht behandelt fühlte. Sie besprach gleich in der ersten Stunde, dass sie umbedingt mit ihm in Paartherapie gehen müsse, sonst laufe sie ihm noch davon. 

Für mich war relativ schnell klar, dass ich eine Frau mit einem Ferritinmangel vor mir hatte. Eine Frau, die nicht mehr in ihrer Stärke sein konnte, weil sie zu erschöpft war und die Welt nur noch durch eine negative Brille sah. Aus Ihrer Erzählung wurde mir auch deutlich, dass sie ihren Mann sehr liebte und er sie offensichtlich auch. Deshalb vereinbarte ich mit ihr, vorläufig auf eine Paartherapie zu verzichten, erstmals den Ferritinspiegel zu messen und allenfalls mit Infusionen den Mangel zu beheben. Wir verabredeten, dass Sie mich nach 1 Monat wieder treffen sollte. Vier Wochen später sass eine verwandelte Frau vor mir. Den Tränen war eine selbstbewusste Ausstrahlung gewichen. Sie hatte tatsächlich einen grossen Ferritinmangel. Der Wert war bei 8, das heisst ihr Eisenspeicher war fast vollkommen leer. Sie bekam insgesamt 3 Infusionen und Vitamin B12 verabreicht und fühlt sich nach der 2ten Infusion wie neugeboren. Was für mich vor allem entscheidend war, ist dass die Beziehungsprobleme einen Monat später nicht mehr vorhanden waren. Die Kommunikation verlief wieder besser, sie fühlte sich weniger schnell angegriffen oder verletzt und hatte wieder Kraft und Freude an ihrem Mann und ihren Kindern. 

Fazit. Es wäre für mich als ihr Coach einfach gewesen, auf ihre Erschöpfung einzugehen oder die Beziehungskonflikte mit ihrem Mann zu bearbeiten. Nur hätte es wenig gebracht, denn die Ursache der "meisten" Probleme waren körperlich bedingt und nicht seelisch. 

Warum Dating Down?

In der Septemberausgabe von Women in Business wurden 4 erfolgreiche Frauen portraitiert. Was mir bei dabei aufgefallen ist, dass alle Frauen in einer Beziehung zu einem Mann sind, der weniger Karriere machen will wie sie, teils schlechter ausgebildet ist und bereit ist, den traditionellen "Frauenteil" in der Beziehung zu übernehmen. Dating Down nennt man das. Das soll auf keinen Fall despektierlich verstanden werden. Männer machen dies nämlich seit eh und je (Klassiker wie Arzt mit Krankenschwester, Pilot mit Stewardess), Warum sollten erfolgreiche Frauen nicht das Selbe tun dürfen. Und warum es in vielen Fällen auch ein Schlüssel zu einer zufriedenen Partnerschaft sein kann.

Yvonne Zurbrügg hat mich dazu interviewt, Das Interview können Sie hier nachlesen:

Source: http://avenue.argus.ch/email/1081388/58963...

Ein gelungenes Leben als oberstes Ziel - keine Fehler erlaubt!

Das gelungene Leben, der perfekte Lebensentwurf, ein erfülltes Dasein sind Begriffe, die in der heutigen Gesellschaft hoch im Kurs sind. Sämtliche Optionen, Varianten werden gecheckt, alle Möglichkeiten offen gehalten nur das Scheitern und Fehler machen, haben darin keinen Platz. Wer scheitert, ist ein Loser, um den man besser einen grossen Bogen macht. 

Heute muss Mann und Frau alles leisten: Erfolg in der Arbeit, doch die Work-Life-Balance voll im Griff, Freiheit geniessen und trotzdem Familiensinn zeigen, Karriere verfolgen und glückliches Familienleben geniessen etc. Eine klassische Powerfrau, Erfolg im Beruf aber keine Kinder läuft heute mit 40 Gefahr, als tragische Figur abgetan zu werden. Gerade bei uns Frauen zeigt sich heute schmerzlich, was passieren kann, wenn man in allen Bereichen ein sogenanntes erfülltes Dasein geniessen will. Als Berufstätige, sowieso, aber eben auch als warmherzige Mutter und als abenteuerlustige, romantische und sexuelle Partnerin. 

Eigentlich ist der Absturz vorprogrammiert. Der Fall ist tief und die Enttäuschung über sich selbst und das nicht Reüssieren gross. Kein Platz für Fehler, kein Platz für Scheitern oder gar Krise!

Das eine solche Lebenseinstellung notgedrungen Angst generieren muss, beschreibt der Deutsche Soziologe Heinz Bude in seinem Buch "Gesellschaft der Angst". http://www.siaf.ch/de/vortrag.php?idvortrag=197

Auch in unserer Sommerstudie von Parship.ch haben wir diese Tendenz gesehen, viele verschiedene Rollen perfekt meistern zu wollen, mit der Gefahr, darin zu scheitern.